MATTSCHEIBE
18. November 2008, 18:30 Uhr
6 Kommentare
Aus 6 mach 1
Hering ist gut, Sahne ist gut, wie gut muss erst Hering mit Sahne sein? Was Kombinationen und Zusammenführungen bringen, hat die ARD noch nicht ausprobiert – zumindest wenn es um ihre politischen Magazine geht. Da senden Panorama, Monitor, Kontraste, Fakt und zweimal Report (aus München bzw. Mainz) mitunter auch gegeneinander. Nun stellt der neue ARD-Chef Volker Herres endlich den Magazin-Six-Pack in Frage.
Sechs Magazine, sechs Sendungsnamen, sechs verschiedene Studiodekorationen und sechs Moderatoren schaffen nicht nur Vielfalt, sondern auch einen Mangel an Profil. Wann das nächste Mal “Panorama” im Ersten läuft, weiß kaum jemand auswendig, der die Sendung nicht selbst produziert. Gut Informierte wissen noch, dass es an einem Donnerstag um 21.45 Uhr sein muss – im gar nicht so einsichtigen Drei-Wochen-Rhythmus. Und “Report” läuft montags – allerdings mal in Mainz und mal in der Nähe der Bayerischen Staatskanzlei in München produziert.
Spätestens seit die Magazine pro Ausgabe auf 15 Minuten Sendezeit zugunsten eines Tagesthemen-Beginns um 22.15 Uhr auf eine Viertelstunde Sendezeit verzichten müssen, ist offenbar, dass ein Magazin-Konglomerat sowohl zeitlich als auch inhaltlich nicht mehr ins Programm passt. Während das ZDF vor Jahren erst “Frontal”, dann den Nachfolger “Frontal 21″ als Solitär aufgestellt hat, dämmert nun im Ersten, dass die Markenvielfalt zum Problem geworden ist – ein selbst geschaffenes Problem, das sich nicht mehr mit Argumenten, sondern nur historisch erklären lässt.
Die Entwicklung der Magazine im Ersten ist auch die Geschichte des mit Ideologie gewürzten Leuchtturmdenkens. Schlicht war die Rundfunkwelt noch, als es 1960 mit “Anno” nur ein Magazin gab. Daraus wurde zwei Jahre später “Report”, als “Panorama” aus Hamburg den Meinungsjournalismus ins Erste brachte. Die Journalisten im Norden traten von Anfang an schon durch ihre Themenwahl mit Oppositionshabitus auf – die Spiegel-Affäre, die zum Rücktritt von Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß führte, war eines der frühen großen Themen.
Zum Missfallen des WDR blieb “Report” bedächtiger und angepasster. Um kein konservatives Magazin mehr zu produzieren und nicht immer politische Meinungsverschiedenheiten mit Verantwortlichen von Bayerischem Rundfunk und Süddeutschem Rundfunk auszufechten, wurde 1965 “Monitor” geschaffen. Auch der Rest der “Report”-Riege teilte sich – in ein eher kritisch-konservatives Team in Baden-Baden und ein berechenbar-konservatives Pendant in München. Hinzu kam 1968 noch “Kontraste” aus Berlin – der Frontstellung der geteilten Stadt entsprechend als Ost-West-Magazin.
Spätestens als 1993 der nach der Wiedervereinigung neu gegründete Mitteldeutsche Rundfunk mit “Fakt” auch ein prestigeträchtiges Magazin forderte, wäre die Mahnung von Herres, dass Vielfalt auch zur Schwäche werden könne, nötig gewesen. Stattdessen wurden die Magazine auf Montag und Donnerstag verteilt, um Platz zu schaffen für die sechste Marke, die zahm und serviceorientiert blieb.
Einst geschaffene Strukturen erweisen sich als zäh. Deshalb ist der Vorstoß des neuen ARD-Oberen mutig – aber mit ungewissen Erfolgsaussichten und einigem Streitpotenzial. Die Magazine gelten in den produzierenden Anstalten als journalistische Flaggschiffe. Für deren Verteidigung werden sich ausreichend Streiter finden, die einen späten Sieg des Rotfunks beziehungsweise des Staatskanzlei-TV fürchten. Damit würde ein Sieg für die Zuschauer vergeben, die sonst weiterhin auf 30 Minuten gepresste Häppchen aus sechs Funkhäusern hinnehmen müssen. Aus sechs mach eins (vielleicht auch zwei) – mit dieser Strategie fahren schon das Wirtschaftsmagazin “Plusminus” und die Kultursendung “Titel, Thesen, Temperamente” erfolgreich. Vielleicht ergibt sich nebenbei auch eine Lösung für die “Tagesthemen”, die es derzeit nur an drei Tagen pro Woche auf ihren Stammsendeplatz 22.15 Uhr schaffen, ohne Frank Plasbergs “Hart aber fair” zu schaden.
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Am 23. Dezember 2008 um 19:43 Uhr
Super Beitrag zum Jahresende! Frohe Weihnachten und nen guten Rutsch in 2009
Am 5. Januar 2009 um 17:21 Uhr
Danke für Deinen Beitrag. Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr 2009 mit viel Erfolg und Gesundheit.
Am 9. Januar 2009 um 10:06 Uhr
Also ich finde das Ganze schon etwas traurig, die Magazine haben alle miteinander etwas, aber die Sendezeit ist eindeutig zu kurz. Ich würde mir auch eher wünschen, die Vielfalt zu verringern, dafür aber ausführlichere Beiträge und längere Sendezeiten zu geben. Okay, die Tagesthemen sind wichtig, aber warum muss ausgerechnet ein Magazin, dass die wirklichen Probleme des Alltags, des kleinen Mannes beleuchtet, deshalb auf Sendezeit verzichten? Nur, damit wir wissen, dass die Kriege in der Welt doch nicht enden, dass Obama neuer Präsident ist usw. Das sind alles Tatsachen, die konnte ich den Nachrichten um acht schon entnehmen, die muss ich nicht um zehn noch mal sehen…
Am 1. September 2009 um 10:34 Uhr
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Am 26. Mai 2010 um 12:30 Uhr
Ich muss Heike zustimmen. Mir wären an manchen Stellen längere Sendezeiten auch viel lieber. Manche Themen sind einfach so spannend - und dann wird es nr kurz angerissen und man selbst steht dann angefüttert, aber unbefriedigt da….
Am 30. Mai 2010 um 22:43 Uhr
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