NETZ
21. Oktober 2008, 00:04 Uhr
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Joost fährt hinterher

Internet-Pionier sein, geht anders. Janus Friis und Niklas Zennström, die mit Kazaa und Skype erst ein P2P-Tauschnetzwerk und dann die Internet-Telefonie populär machten, haben bislang wenig Glück mit dem, was ihr dritter Internet-Scoop werden sollte: Joost, das das Fernsehen im Web revolutionieren sollte, rudert anderen Plattformen hinterher. Mit neuer technischer Strategie soll alles besser werden. Zu spät?
Zum Start gab es eine Software, die jeder erst herunterladen musste, bevor mit Joost Videos angesehen werden konnte. Vor einem halben Jahr kam ein Plug-In, damit Filmchen via Joost auch im Browser zu sehen sind. Nun ist selbst das nicht mehr nötig, seit einer Woche genügt der Browser. Einfach auf die Joost-Seite und einloggen, fertig. Zum Sprung an die Spitze der Internet-Videodienste wird aber auch das nicht reichen, wenn Friis und Zennström nicht schnell das Hauptproblem ihres Angebots beheben: die Inhalte.
Noch immer ist das Angebot dürftig. Zwar offeriert die Seite eine riesige Menge an Filmchen, doch Youtube hat mehr. Professionell Produziertes, Populäres oder Quoten-/Click-Starkes gibt es immer noch zu wenig. Was von US-Stationen ins Joost-Netz gegeben wird, ist oft auch anderweitig zu sehen. NBC und Fox liefern gar nicht erst Content, sie haben die eigene Plattform Hulu, der Joost nun sehr ähnlich geworden ist.
Zudem müssen Nutzer immer noch hinnehmen, dass die Joost-Welt genauso viele Grenzen hat, wie auch auf einer Landkarte eingezeichnet sind. Videos, die für die USA freigegeben sind, kann der deutsche Zuschauer nicht sehen. Mit deutschen Sendungen gibt es dieses Problem nicht, die sind erst gar nicht bei Joost eingestellt.
Wie es besser läuft, zeigt der einstige David Zattoo, der in der Popularität hierzulande den vermeintlichen Goliath überholt hat. Jeder Tag kommen Hunderte, wenn nicht Tausende neue Nutzer dazu. Die öffentlich-rechtlichen Sender bieten dort fast ihr gesamtes Programm im Stream an - nervenraubendes Navigieren zwischen verschiedenen Seiten entfällt, das alle Streams aus einem Menü gewählt werden können.
Ebenfalls bislang zweckmäßiger als Joost: Miro. Der Player ist nicht Kern eines geschlossenen Systems. Videos aus verschiedenen Portalen können angesehen werden. Alle Videos, die es per RSS im Abo gibt, können im Hintergrund heruntergeladen und zum individuellen Web-TV-Programm kombiniert werden. Egal, ob per Client-Software, Plug-In oder direkt im Browser - Joost kann nur überzeugen, wenn das Angebot besser wird - oder es rollert hinterher, wie die Teilnehmer des Deutschen Bürostuhl-Rennen, aus dem der Screenshot oben stammt. Aber das war uns Nutzern doch schon länger klar.
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