PAPIER
20. Oktober 2008, 22:07 Uhr
1 Kommentar
Neue Verkaufspläne für Zeitungen im Norden
In Schleswig-Holstein haben es sich die Zeitungsverlage gemütlich eingerichtet. Drei große Häuser - der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ), die Kieler Nachrichten und die Lübecker Nachrichten - haben das Land weitgehend unter sich aufgeteilt. Dennoch kommt zu Mutmaßungen über einen Verkauf des SHZ nun noch das Gerücht, der Springer Verlag wolle seine Beteiligung an den anderen beiden großen Titeln im nördlichsten Bundesland aufgeben. Das könnte Folgen für die Pressevielwenigfalt haben.
Rückzug aus der Region, scheint das Motto beim Springer-Verlag zu lauten - zumindest nach Informationen des Branchendienstes Horizont. Der will nämlich erfahren haben, dass Springer seine Beteiligungen an Regionalzeitungen zurückfahren will - auf null. Mehr noch: Angeblich soll der Aufsichtsrat grundsätzlich bereits einem Verkauf zugestimmt haben. Betroffen wären davon in Schleswig-Holstein unter anderem die “Lübecker Nachrichten”, an denen Springer mit 50 Prozent beteiligt ist, und die “Kieler Nachrichten”, bei denen der Verlag 24,5 Prozent der Anteile hält. Von Springer kam dazu weder eine Bestätigung, noch ein Dementi.
Als möglichen Kaufinteressenten nennt Horizont den Madsack-Verlag (”Hannoversche Allgemeine”). Ein Verlag, der an diversen Stellen bereits mit Springer kooperiert und dessen Name zuletzt auch im Zusammenhang mit Verkaufsplänen beim SHZ genannt wurde. In Meldungen über einen unmittelbar bevorstehenden Verkauf, die seit dem Frühjahr immer wieder verbreitet wurden und an denen der “Spiegel” trotz Dementis aus der Verlagszentrale in Flensburg festhielt, galt Madsack neben der WAZ-Gruppe als Favorit.
Unwahrscheinlich, dass der Verlag aus Hannover den Einstieg bei allen drei großen Verlagshäusern in Schleswig-Holstein beabsichtigt. Das Bundeskartellamt würde wohl kaum solch einem Geschäft zustimmen. Auf dem Lesermarkt und auf dem Anzeigenmarkt würde dadurch ein monopolähnlicher Zustand entstehen. Die verbleibenden Kleinverlage - “Dithmarscher Landeszeitung”, “Segeberger Zeitung” und “Pinneberger Tageblatt” - fielen kaum noch ins Gewicht. Letzteres gehört ohnehin mehrheitlich dem SHZ, der bei Gesellschafterversammlungen aber mit Vertretern vom Springer-Verlag am Tisch sitzen muss, dem direkt und indirekt über die Kieler Nachrichten Anteile zuzurechnen sind.
Wahrscheinlicher erscheinen nach den neuen Branchengerüchten Veränderungen in der Presselandschaft im Norden, denen auch das Kartellamt - mit oder ohne Bedenken - zustimmen kann. Ein Konzentrationsschub ist damit ebenso wenig ausgeschlossen wie abnehmende Vielfalt für Leser und weniger Stellen für Journalisten.
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Am 22. Oktober 2008 um 09:25 Uhr
Das Spekulieren geht also munter weiter…ob das Interesse des Madsack-Verlags an den Springer-Anteilen als ein Hinweis darauf gewertet werden kann, dass das Bieten um den SHZ eigentlich bereits entschieden ist - nämlich zugunsten der WAZ-Gruppe? Die haben an den Springer-Anteilen nämlich kein Interesse signalisiert, wie kress meldet. Madsack hingegen könnte auf gedeihliche Verhandlungen hoffen - bei der Leipziger Volkszeitung sitzt man ohnehin am gleichen Tisch. Auch ohne Monopol: Falls sich in naher oder ferner Zukunft im Norden Madsack und WAZ als Bewerber um Anzeigenkunden- und Lesergunst gegenüberstehen, ändert sich nur scheinbar nichts außer dem Namen des Anteilseigners. Wird spannend.