MATTSCHEIBE
14. Oktober 2008, 07:36 Uhr
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Senderchefs bleiben Gespräch mit MRR fern
Das ging aber schnell - nach der TV-Kritik von Marcel Reich-Ranicki bei der Fernsehpreis-Gala hebt das ZDF am Freitag die Sendung “Aus gegebenem Anlass” ins Programm. Doch genauso schnell, wie man dem Kritiker Raum für seine Wehklage über die Qualität des Fernsehens einräumt, gehen die Senderverantwortlichen auch in Deckung. Von MRRs Kritik fühlt sich kein Sender selbst angesprochen.
WDR-Intendantin Monika Piel, die sich für die Ehrung Reich-Ranickis eingesetzt hatte, verweist gegenüber der Süddeutschen Zeitung darauf, dass der Literaturkritiker, der die Annahme des Preises verweigerte, kaum jene öffentlich-rechtlichen Produkte gemeint haben dürfte, die bei diesem Festakt ausgezeichnet wurden. ProSiebenSat1-Vorstand Andreas Bartl lässt sich zitieren: “Ich sehe keinen Handlungsbedarf.” Sein Unternehmen biete genügend Qualität und genügend Populäres. Forsch reagiert RTL, es werde dort “keine Sendung für Pauschalkritik” geben.
Am Beginn der Woche nach dem Kritiker-Tadel fühlt sich keiner angesprochen. Dabei hatte mit Reich-Ranicki bei der Gala einer ausgesprochen, was viele, die gar nicht erst eingeschaltet haben, schon dachten. Wenn der Literaturkritiker völlig Unrecht hätte, dann könnten sich die Sender-Verantwortlichen von Angesicht zu Angesicht gegen seine Anwürfe verteidigen. Tun sie aber nicht, stattdessen gehen sie in Deckung. ProSiebenSat1 will niemanden zum Gespräch mit MRR schicken. RTL rückt den 88-Jährigen in die Nähe des verbitterten Seniorentums und teilt mit: “Es muss reichen, dass Marcel Reich-Ranicki sich selbst zuhört.” Und da zwei Träger des Preises nicht erscheinen, dann wollen auch die beiden anderen, ARD und ZDF, wegblieben.
“Aus gegebenem Anlass” - Freitag, 22.30 Uhr im ZDF - wird dadurch zu irgendwas, aber nicht zur Einlösung von Gottschalks - zugegeben ungedeckten - Angebots. Der hatte Reich-Ranicki eine Auseinandersetzung mit Intendanten und Senderchefs in Aussicht gestellt. Natürlich müssen die Sender nicht zu Kreuze kriechen, weil ein Prominenter sie kritisiert, aber ein Zeichen der Güte wäre angemessen gewesen. Immerhin kommt “Wetten dass”-Präsentator Gottschalk, spricht mit MRR und lässt die Fernsehnation zuschauen. WDR-Chefin Piel würde dazu wohl sagen - wie sie schon in der Süddeutschen zitiert wurde: “Man kann nicht oft genug über die Qualität des Fernsehens diskutieren.” Und hinterher alles wieder vergessen - möchte man hinzufügen. Und wenn man an verschiedenen Stellen liest, wie peinlich und anstrengend die Gala für Anwesende wirklich war, verwundert es schon, dass ein Herr zwei Stunden ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleiben konnte.
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