NETZ, PAPIER
7. Oktober 2008, 22:33 Uhr
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So muss eine gute Überschrift sein
“Mit einem Erdbeben beginnen, und dann langsam steigern”, riet einst Reporter-Meister Egon-Erwin-Kisch. Eine dramaturgische Weisheit, die vor ihm schon der US-Filmproduzent Samuel Goldwyn aussprach. Und was für Filmemacher und Reportageschreiber gilt, sollte für Blogger erst recht gelten.
Es ist schon einige Wochen her (ich habe es aber erst heute gesehen), dass René vom Spreeblick wissen ließ, wie er Blog-Postings liest -
“In meinem Feedreader habe ich die amerikanischen Massenposter von Gawker über Digg bis Reddit in drei Ordner sortiert: The Good, The Bad und The Ugly. Und bei allen lese ich maximal die Headline. Denn was online maximal zählt, ist die Idee hinter einem Posting, und die sollte in der Headline (nicht zu sehr, aber dann eben doch:) detailliert enthalten sein.”
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und schreibt -
“Deshalb beschreibe ich, wenn ich nicht grade eine Geschichte schreibe, den Inhalt der Postings möglichst genau schon in der Headline, beginne im folgenden Text nocheinmal mit einer Beschreibung desselben und tippe dann erst, wenn mir noch Geschichten dazu einfallen, einen Text dazu, der mal mehr, mal weniger schön formuliert ist.”
Ja, das klingt bloggig und ebenso journalistisch - ein Beleg, dass Journalisten und Blogger bei einer Sache sehr nahe beieinander sind. Beide wollen (ungeachtet aller Unterschiede, die bestehen und hier nicht noch einmal diskutiert werden sollen) Aufmerksamkeit, Leser für ihre Texte. Und die bekommt niemand, der in Absatz 27 einen revolutionäre Satz bastelt und niederschreibt, sondern nur der, der am Anfang eines Textes und vor allem in der Überschrift reüssiert.
Wer im Feedreader nur die Überschriften von Tausenden Blogpostings scannt, unterscheidet sich auch wenig vom Leser, der die Bild, die Süddeutsche oder die FAZ durchstöbert. Die Poynter-Studie, die Ende der 1990er Jahre das Leseverhalten untersucht hatte, belegte, dass Zeitungsleser stark selektieren, nur maximal ein Zehntel tatsächlich lesen. Erinnern konnten sie sich meist an Schlagzeilen, selten an Textpassagen. Denn Überschriften wurden von ihnen gut doppelt so viel gelesen wie der Text. Fazit: Eine schlechte Titelzeile vermasselt die beste Story.
Das muss nicht sein. Das Rezept dagegen wird bei Spreeblick gleich mitgeliefert: “Deshalb beschreibe ich, … , den Inhalt der Postings möglichst genau schon in der Headline…” Oder plakativer - so wurde es mir von einem Lehrmeister - eingepaukt: Reizworte - Personalisierung - Emotion - das muss in der Überschrift. Sie darf und soll verkürzen, soll personalisieren und soll zum Lesen reizen. Das zitierte Spreeblick-Posting war mit “Schreiben im WWWeb” überschrieben, naja. Der Eintrag vorher hieß “Sat1, die Sozialschmarotzer”, ja. Und nun wieder zum Bloggen.
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