MATTSCHEIBE, NETZ
23. Juni 2008, 18:27 Uhr
2 Kommentare
Nun auch die Zeit
Seit heute zeigt die “Zeit” auf ihrer Internetseite Nachrichten vom ZDF. Nach der Vereinbarung des WDR mit dem WAZ-Portal “Der Westen” ist das die zweite Kooperation eines öffentlich-rechtlichen Senders mit einem privaten Verlag. Ein Grund mehr, Verbindungen dieser Art kritisch zu hinterfragen.
“Willkommen zu den Heute-Nachrichten in hundert Sekunden”, heißt es nun auf der Startseite von “Zeit Online”. In der Randspalte kann das Video mit Kurznachrichten vom Lerchenberg gestartet werden. Damit dieses Angebot möglich wurde, haben “Zeit” und “ZDF” eine Kooperation vereinbart, die noch ausgebaut werden soll. Weitere Videobeiträge sollen folgen. Dabei soll es sich um Beiträge handeln, die das ZDF bereits für seinen eigenen Redaktionsbetrieb produziert hat und für die die “Zeit” marktübliche Preise zahle - genauso wie bei der Allianz WDR-WAZ.
Bei beiden Kooperationen bekommt ein Fernsehsender Platz eingeräumt, Eigenproduktionen auf fremden Seite zu zeigen. Latent sind die Beiträge auch Eigenwerbung für den Sender. Trotzdem wird nicht gezahlt, sondern kassiert für Produktionen, die eigentlich schon durch die Rundfunkgebühren bezahlt sein sollen. Für die Zuschauer bedeutet das, sie bekommen einen weiteren Weg, um genau dasselbe anzusehen, was sie schon auf anderem Wege direkt sehen oder abrufen können. Geld zurück bekommen sie nicht, auch wenn sie die Entstehung der nun weiter verbreiteten Filme wesentlich mitbezahlt haben.
Für mögliche private Konkurrenten bedeuten die jüngst geschlossenen Kooperationen: Sie haben vorerst keine Chance, die nun belegten Plätze auf den Internetseiten zu bekommen. Somit haben sie auch keine, das Geld für die Lieferung der Beitröge zu kassieren und können langsamer oder gar nicht expandieren, was im Sinne der Meinungsvielfalt wünschenswert gewesen wäre. Außerdem neu: Erstmal können öffentlich-rechtliche Nachrichten in Verbindung mit Werbung angesehen werden. Denn selbstverständlich verzichtet die “Zeit” nicht auf die lukrativen Banner auf ihrer Startseite, obwohl nun ZDF-News auf derselben Seite eingebaut sind.
Fragwürdige Kooperationen. Zwei sind geschlossen, weitere sollen laut Branchenspekulationen folgen. Damit sichern sich ARD und ZDF einen Platz im Web. Geschickt, denn auf eigenen Webseiten wird ihnen dieser durch die Rundfunkstaatsvertragsdebatte streitig gemacht. Ganz nach dem Motto: Wenn wir uns schon nicht in hauseigenen Internetangeboten präsentieren dürfen, wie wir es wollen, dann schließen wir halt Verträge mit Partnern, die uns Platz im Netz geben.
Ob diese Entwicklung im Sinne der Medien- und Meinungsvielfalt wünschenswert ist? Nein. Sie ist ein Nebeneffekt der Debatte über die Rolle, die ARD und ZDF künftig im Netz spielen dürfen. Und sie zeigt, dass gefundene Formelkompromisse in der Rundfunkstaatsvertragsdiskussion nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Zwar dürfen ARD und ZDF keinen Freibrief zur Expansion im Netz bekommen, aber gewisse Entwicklungsgarantien sind nötig, damit sie ohne Parkpositionen auf fremden Internetseiten auf dem Online-Informationsmarkt bestehen können. Statt die Grenzen öffentlich-rechtlicher Internet-Aktivitäten zu eng zu ziehen, sollte Vielfalt gefördert werden. Vielfalt, die in diesem Fall die Konkurrenz von privater und öffentlich-rechtlicher Information und nicht deren Transfer von der einen auf die andere Seite wäre. Die “Heute”-Sendung auf “Zeit Online” dient nicht der Vielfalt. Ein solides “tagesschau.de” neben “zeit.de” und Co. bleiben besser.
Bookmarken















Am 10. Mai 2010 um 03:50 Uhr
easy Flygel…
You made some good points there. I did a search on the super topic and found most people will agree with your blog Extra website Flygel Thanks!….
Am 20. Mai 2010 um 06:02 Uhr
zdf sport…
Any idea if there are similar blogs like this related to zdf sport?…