PAPIER
15. Februar 2007, 07:02 Uhr
1 Kommentar
Blauäugigkeit

Blue Eyes by berbercarpet @ Flickr
Mal angenommen: Ich schicke einen Brief an den SPD-Gesundheitsexperten Prof. Karl Lauterbach. “Herr Lauterbach, schreiben Sie doch mal was Nettes über – Ulla Schmidt.” Ein paar Tage später kommen die Zeilen – allerlei Worte über die Gesundheitsministerin, nur das Wort „Blauäugigkeit“ nicht, wäre auch nicht “was Nettes”. Ich drucke die Sätze aus, mehr als 100.000.mal – und auf einmal ist das Wort drin. “Vanity Fair” hat dafür eine Erklärung.
Nicht ich, “Vanity Fair” hat eine Äußerung von Lauterbach bekommen. Die abgedruckte “Blauäugigkeit” gab es dennoch. Es war das für mich auffälligste Zitat der Erstausgabe. Nun die Ernüchterung in Nummer zwei. Es ist kein Zitat, zumindest nicht von Lauterbach. Der sagt in seinem Leserbrief: “Mein den Leser überraschendes Lob von Ulla Schmidt hat niemanden mehr als mich selbst überrascht, da nur ein Drittel des Textes von mit selbst stammte.” Er nehme Abstand “von der Aussage, dass ich Ulla Schmidt für blauäugig halte. Das ist das Letzte, was man ihr unterstellen könnte. Aber hartnäckig ist sie.” “Vanity Fair” dazu: “Herr Lauterbach hat recht.”
Woher kommt denn nun die Blauäugigkeit? Das Magazin erklärt: “Einem Datenübertragungsfehler ist es zu verdanken.” Nun, bei mir haben auch schon Compter-Programme die unglaublichsten Dinge mit Texten angestellt, das Wort “Blauäugigkeit” hat noch keines eingefügt. Erstaunlich ist auch Lauterbachs Reaktion. Dafür, dass es für die Mehrzahl der abgedruckten Worte nicht stimmt, dass sie von dem Politiker sind, reagiert der äußerst gelassen. Schreibt sogar: “Trotzdem hat mir der Text gut gefallen.”
Fragen bleiben: Woher stammt das Zitat? Was hat Lauterbach genau gesagt? Das erfährt der Leser, der spätestens jetzt diese Information verdient hätte, nicht. “Jede Woche bittet ‚Vanity Fair’ um ein überraschendes Lob”, heißt es über dem Zitat. Wie geschieht denn das? Per Brief, Mail, Telefon – oder werde Sätze irgendwo auf einem Flur aufgeschnappt oder bloß weiter erzählt und irgendwann aufgeschrieben?
Bookmarken















Am 12. Oktober 2008 um 18:37 Uhr
[...] wurde. “Langsam bekomme ich Respekt vor Ulla Schmidts Hartnäckigkeit, die ihrer Blauäugigkeit in nichts nachsteht”, wurde SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zitiert – der gibt aber [...]