NETZ
13. Februar 2007, 07:43 Uhr
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Wikipedia knapp bei Kasse?
Eine Alarmmeldung kommt von der Wikimedia-Foundation. Offenbar steht ein finanzieller Engpass bevor, da die Spenden für die freie Enzyklopädie Wikipedia nicht nicht ausreichendem Maß fließen. Sogar ein Ende des Projekts ist nicht ausgeschlossen.
Freie Projekte sind in der Webszene beliebt. Der Warnruf aus der Stiftung zeigt aber, wie schwierig es ist, solche unabhängigen Projekte allein durch großzügige Geber zu finanzieren. “Wenn wir nicht zusätzliche Spender auftreiben können, ist es nicht unmöglich, dass Wikipedia verschwindet”, sagte Stiftungschefin Florence Nibart-Devouard in der vergangenen Woche.
Mit der Popularität wächst der Finanzbedarf. Mehr Nutzer erzeugen mehr Traffic, neue Beiträge und das anschwellende Archiv korrigierter Versionen erzwingen wachsende Speicher. Wenn nicht in gleichem Maße der Zahl der Spender wächst, steht das Modell vor dem Aus. Natürlich bleibt immer die Werbefinanzierung. Bei einem derart stark frequentierten Angebot, bei dem die Leser individuell aufgrund ihrer Anfragen angesprochen werden könnten, böte die Vermarktung immense Einnahmechancen. Auch ein Verkauf an einen kommerziellen Betreiber hätte gute Chancen: Man bräuchte Wikipedia nur anbieten – es würden sich zahlreiche Interessenten finden, die gigantische Summen bieten würden.
Problem: Eine Kommerzialisierung widerspricht dem Konzept der freien Enzyklopädie. Wären noch kritische Einträge über den Neueigner möglich? Würde solche ein Eigentümer Negativzeilen über potentielle Werbekunden zulassen? Das geringere Übel wären Inserate. Doch auch bei diesem Thema ist die Wikipedia-Gemeinde sensibel. Es waren mit Gerüchten über bevorstehende Werbeeinblendungen, die zu Abspaltungen führten (z. B. 2002 in Spanien). Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hatte daraufhin gesagt, dass die Enzyklopädie werbefrei bleiben solle, um Abspaltungen zu verhindern.
Größe ist für freie Projekte ein ernstes Problem. Ihr Entstehen und ihr Fortbestand ist vom Goodwill abhängig. Steigen die Kosten, droht die Bereitschaft von Spendern und Mäzenen überstrapaziert zu werden oder ein Projekt in sich zusammenzufallen. Auch bei Communities: Ohne Holtzbrinck – oder einen anderen Geldgeber – wäre beispielsweise StudiVZ zum Scheitern verurteilt. Mittlerweile nicht mehr nachlesbare Eigendokumentationen über Auseinandersetzungen mit Telefongesellschaften zeigten dort, dass es ohne sichere Einnahmeseite eben nicht geht. Der Fehler beim StudiVZ war allerdings, den Nutzern monatelang das Gegenteil vorzugaukeln.
Update: Die Wikimedia Foundation ist Berichten entgegen getreten, dass ein Zahlungsenpass drohe. “Wikipedia macht auf absehbare Zeit nicht dicht”, heißt es in einer Erklärung. Die Aussage, das derzeit vorhandene Geld reiche nur noch für drei Monate, soll sich nur auf den Barbestand beziehen. Das zur Ergänzung dieses Postings. Falsch ist hingegen - wie hier unterstellt - in diesem Posting seien Nibart-Devouard Worte in den Mund gelegt worden. Dieses Zitat ist offenbar gesagt worden, es steht auf mehreren voneinander unabhängigen Seiten und anders als hier ohne Ergänzung.
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