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NETZ 12. Februar 2007, 17:53 Uhr 0 Kommentare

Online Inside: Schon wieder Fehler

Buchstabendreher, fehlende Wörter, inhaltliche Unschärfen und der ein oder andere Schnitzer – wenn Journalisten Fehler machen, bläst ihnen häufig ein Sturm der Entrüstung entgegen. Wie die gute Korrektur aussehen muss, beschreibt Contentmanager.de. Dieser steht aber meist ein Faktor entgegen: die Zeit. Und es bleibt eine Frage an die Leser.

Rechtschreib- und Grammatikfehler sind die häufigsten Holperer in Online-Artikeln. Da fehlt ein Buchstabe, zwei Buchstaben sind verdreht, beim Umformulieren eines Satzes wird ein Wort vergessen oder ein nun überflüssiges nicht gelöscht. Das passiert jedem beim Tippen. Wer dann noch die Zeit hat, den eigenen Text erst für die eigene Lektüre auszudrucken, sich einige Minuten für kritisches Lesen zu nehmen (am Bildschirm wird deutlich mehr überlesen auf dem Papier), kann schon selbst einige Fehler tilgen, bevor der Korrektor überhaupt mit seiner Suche beginnt.

Dass mindestens ein zweiter Mitarbeiter den Text ansieht, geben bei der zitierten Untersuchung 88 Prozent der Online-Redakteure an. Doch worauf soll der Korrektor achten, und was bessert er tatsächlich aus? “Es genügt nicht, wenn Sie Ihrem Kollegen einen Artikel mit den Worten ‚Lies doch mal bitte’ in die Hand drücken”, heißt es beim Contentmanager. “Machen Sie Ihren Korrektor auf problematische Passagen aufmerksam”, lautet ein Ratschlag.

Dem steht jedoch die Zeit entgegen. Der zweite Leser wird sich auf die Rechtschreibung stürzen. Er bewahrt die Redaktion vor einem Proteststurm. Ein Teil der Leser ist bei Rechtschreibfehlern gnadenlos und schickt nach dem zweiten oder dritten entdeckten Vertipper sofort eine Beschwerdemail. (Nicht selten mit eigenwilligen Interpretationen der Groß- und Kleinschreibung sowie zur Zeichensetzung.)

Diese Kontrollstufe ist jedoch in ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt: Ein Schlussredakteur kann in einer aktuell berichtenden Redaktion schon mal auf 40 bis 50 Texte kommen, die er in einer Schicht zu lesen hat. Ein übersehener Fehler zeigt dann weniger Nachlässigkeit als nur allzu menschliche Schwäche. Qualitätskontrolle beschränkt sich dann auch aus Gründen der Zeitökonomie auf den Texteinstieg. Der erscheint auch auf der Homepage und soll zum Clicken auf “Weiter” animieren.

Und der Inhalt im Weiteren? Fakten prüfen ist sehr zeitintensiv – zudem könnte die Bitte darum in Redaktionen zu irritierten Blicken führen. Jeder Mitarbeiter soll doch bitte selbst in der Lage sein, Fakten richtig zu recherchieren. Wenn laut Contentmanager in 57,2 Prozent aller Fälle die Richtigkeit des Inhalts geprüft wird, überrascht mich eher, wie oft diese Kontrolle stattfindet. Nicht angegeben ist allerdings, wie diese Kontrolle erfolgt. Sind es nur Regeln der Logik und eigenes Verständnis oder Ergebnisse einer Nachrecherche, an denen die Kontrolle gemessen wird? Ersteres wird die Regel sein.

Schlampige Recherche und grobe Fehler sind – nach meiner Wahrnehmung – sehr selten. Nur wenn etwas entdeckt wird, stürzen sich alle – auch die Branchenkollegen – mit Häme darauf. Der Teufel liegt wie so oft im Detail, und der Vater des Teufels ist die Zeit. Aber wie viele Leser von News-Seiten vergleichen regelmäßig, bei welchem Medium eine Meldung um 10:20 Uhr, 10:23 Uhr oder erst um 10:30 Uhr veröffentlicht wurde?


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