NETZ
31. Januar 2007, 21:44 Uhr
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Böses Blut bei der Readers Edition
Vor einigen Wochen hat Michael Maier die Netzeitung verlassen und die Jedermann-Online-Zeitungstochter “Readers Edition” mitgenommen. Nun geht’s ans Aufräumen bei der Neuerwerbung. Als erstes wurden die meisten ehrenamtlichen Moderatoren entsorgt - mit einer ziemlich forschen Mail. Wohin das Projekt steuern soll, bleibt indes unklar.
Robert Basic fragt, ob der elektronische Tritt für die Engagierten ein “irreparabler Reputationsverlust” ist. Und eigentlich ist ihm die Antwort egal, genauso wie eine mögliche Erklärung von Ex-Netzeitungs-, Nun-nur-Readers-Edition-Chef Maier. “Viel zu retten hat er ja nicht mehr”. Und wenn die Readers Edition nun nicht mehr die Speerspitze des deutschen Citizen Journalism werde, “dann wird’s halt jemand anders”.
“Wir konnten nicht feststellen, dass Du mit diesen Aufgaben so gut zurecht kommst, wie es nötig wäre” und “Zumindest warst Du mit den wenigen Aktivitäten in den letzten Wochen nur mäßig hilfreich”, soll in der Mail an die verstoßenen Moderatoren gestanden haben. Was haben die Readers-Edition-Verantwortlichen denn von Mitstreitern erwartet, die gratis arbeiten? Zumindest für die Zukunft ist das geklärt. “Wer künftig als Moderator im Bereich Moderation mitarbeiten will, braucht natürlich die entsprechende Ausbildung, Qualifikation, Talent, einen RE-kompatiblen Themenschwerpunkt und ein planbares Zeitbudget”, schreibt Readers-Edition-Berater Hugo E. Martin im Blog der Jedermann-Zeitung. Na denn, Berufsjournalisten aller Länder: Seid ihr es nicht auch Leid, ständig für Geld arbeiten zu müssen? Bei der Readers Edition geht’s auch ohne.
Für die Geschassten ist auch noch ein Satz übrig: wer von ihnen in die “Hall of Fame” einziehen wolle, sei “ebenfalls herzlich willkommen”. Diese Einladung bleibt aber von vielen unerwidert. Einmal düpiert, ist die Bereitschaft gering, das Projekt weiter zu unterstützen. Besonders ärgert die Ex-Moderatoren, wie ihnen der Status genommen wurde. Florian Siebeck hat eine nur eine Woche alte Mail aufbewahrt. Darin wird ihm und den übrigen Moderatoren ein Treffen für März angekündigt. Und es heißt nebulös: “Wir werden das Moderatoren-Treffen allerdings nur mit jenen Moderatoren durchführen, die tatsächlich auch praktisch tätig sind.” Dass gerade die Empfänger der Mail zu den Aussortierten gehören sollen, hätten sie sich nicht gedacht.
Florian Siebeck wirft der “Readers Edition”-Leitung ein gewisses “Maß an Ignoranz, Überheblichkeit und Perhorreszenz” vor. Ruprecht Frieling findet es besonders enttäuschend, dass sich Maier und Martin gar nicht direkt bei den Moderatoren gemeldet haben. Letzterer gibt sich einigermaßen zerknirscht ob der hereinbrechenden Protestwelle. Er gibt zu, denn der Veränderungsprozess “grottenschlecht geplant und umgesetzt worden” sei. Obwohl er Besserung gelobt und um eine zweite Chance bittet, muss er sich fragen lassen, warum hat er dieses Desaster nicht verhindert hat. Mit Steffen Büffel und Peter Schink haben sich aus “Gründen der Kollegialität gegenüber den anderen ehrenamtlichen Moderatoren” auch zwei Nicht-Geschasste von der “Readers Edition” verabschiedet.
Schon in der Vergangenheit war die “Readers Edition” zu ruhig, als dass sich regelmäßige Besuche gelohnt hätten. Schon weniger als die gesuchten 20 Millionen Autoren hätten für ausreichend Leben sorgen können. Eine kritische Größe, die Attraktivität bei Themen, Qualität der Aufbereitung und Zahl der Artikel garantiert, konnte bislang nicht erreicht werden. Das Verprellen von Anhängern konterkariert jede Anstrengung, daran etwas zu ändern. Wie die Stimmung intern sein muss, lässt sich erahnen, wenn sich einer der Verantwortlichen gleich für die eigentlich von ihm zu verantwortende Unternehmenspolitik entschuldigt.
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Am 3. Juli 2008 um 00:03 Uhr
[...] Die Welt wird… sich verneigen vor so viel Qualitätsjournalismus und bald das Weite suchen. Seit 7. Februar schreibt Kubach “Shorts” für die Readers Edition. Auf [...]