PAPIER
29. Januar 2007, 23:53 Uhr
2 Kommentare
Massenmedien können nicht interaktiv sein
Interaktivität ist bloß eine “Augenwischerei”, wenn es um Massenmedien geht, sagt Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Im ZDF-”Nachtstudio” diskutierte er mit Deutschlandradio-Kulturchef Wolfgang Hagen und Ex-9Live-Chefin Christiane zu Salm über die Zukunft von Radio, Fernsehen und Internet. Dazu gab es wenig Erhellendes, wohl aber über ein strukturelles Unvermögen der Massenmedien.
Den Verantwortlichen der Internetseiten von Zeitungen, Radiostationen und Fernsehsendern sollte die Diskussion (hier komplett ansehen) eine Mahnung sein. Nicht durch noch so kreative Anstrengungen unter dem Schlagwort “Web 2.0” – die x-te Agenturmeldung mit angehängter Kommentarmöglichkeit oder einen durch eine Redakteursfrage eingeleiteten Forumsthread – gewinnen sie an Reputation im Netz. Diese Pseudo-Interaktivität gab es schon vor dem Internet. Und sie wird durch die Nutzung des Web nicht automatisch besser, wie das Projekt “partizipativer Journalismus” der FAS am Tag der Diskussion belegte.
Bei allem Geifern nach Interaktivität scheint in Vergessenheit zu geraten, was Bolz nüchtern in Erinnerung ruft: “Ein Massenmedium ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass es prinzipiell nicht interaktiv sein kann.” Eine Feststellung, die auf einer sehr traditionellen Definition aufbaut: “Solange ein Sender ohne Rückkanal eine große Menge anspricht, haben wir es mit einem Massenmedium zu tun.”
Was Massenmedien dennoch an Interaktivem anböten – dass man Einfluss auf das Programm nehmen könne – sei “eine große Augenwischerei”, die älteste Form der Leserbrief. Und seitdem Leser an die Redaktion schreiben dürfen, besteht die “tiefe Illusion, zu glauben, man könnte durch den Leserbrief irgendwie Einfluss nehmen auf das Programm oder auf das Selbstverständnis einer Zeitung.”
Mehr als den “Schein von Partizipation” bieten andere Seiten. Jedem sein eigenes Blog, seinen eigenen Podcast, seine Community-Mitgliedschaft. “Es geht nicht mehr um pawlowsche Hunde. Die Zuschauer sind sehr aktiv”, sagte Kulturredakteur Hagen. Die User switchen zwischen Massenmedialem und dem Parajournalismus der Laien hin und her.
Das Ende der Massenmedien, die – so Bolz – „”mmer mehr Schwierigkeiten haben, ihr Objektivitäts- und Professionalitätsideal aufrecht zu erhalten”? Nein: “Journalisten hatten nie größere Chancen, den Nutzern Orientierung zu geben”, sagte Medienunternehmerin zu Salm. Aber – das sollte dem Zuschauenden klar sein – mit Leserreportern, AAL und User Generated Content geht das nicht.
Bookmarken















Am 31. Januar 2007 um 09:36 Uhr
Kaum einmal ein Nachtstudio verpasst, und schon wars richtig interessant. Zum Glück gibts das ja nochmal am späten Donnerstag, bzw. frühen Freitag in 3SAT als Wiederholung, wenn man sich das Mediathek-Mäusekino ersparen will.
Am 14. Juni 2009 um 17:34 Uhr
[...] positive Erscheinung. Einige weiterführende Beispiele sind bei Thomas Mrazek (Link), Timo (Link) und Jan Tißler (Link) zu finden. Kommentare [...]