MATTSCHEIBE
29. Januar 2007, 21:25 Uhr
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Hoffnung für den Samstagabend
Die große Samstagabendshow ist tot. Spätestens wenn Thomas Gottschalk bei “Wetten dass” aus Alters- oder Quotenschwäche aufgibt, werde niemand mehr dem einstigen Kulminationspunkt der TV-Woche nachtrauern. Dachte ich - bis jemand, für den bislang Humor zu oft Lachen auf Kosten anderer bedeutete und der Name Lisa Loch der ultimative Schenkelklopfer war, neue Hoffnung stiftete.
“Es geht um 1,5 Millionen – und wir puzzeln”, es klang absurd, was Matthias Opdenhövel sagte. Gleichzeitig verriet er das Erfolgsrezept von “Schlag den Raab“. Großes Kinderfest – und zwar für ganz große Kinder. Spielen, Tasten, Wettlaufen (auf Skiern), Raten, Klettern – für zwei Große, denen der Satz “Ist doch alles nur ein Spiel” genauso fremd ist im Wettkampf wie Kindern bei einer Spieleolympiade. Nicht teuer erkaufte Promi-Garden wie bei “Wetten dass“, sondern Spielduelle zwischen einem auf Profilierung erpichten Moderator und einem unbekannten Herausforderer, brachten die Frische, Kreativität und Unverbrauchtheit in den Samstagabend, die den meisten TV-Shows mittlerweile abgeht.
Die Samstagabendshow ist der Dinosaurier im deutschen Fernsehen. Einst groß, stark, pompös – nun vom Aussterben bedroht. Nur Thomas Gottschalk schafft es noch, regelmäßig mehr als zehn Millionen Zuschauer vor den Fernseher zu locken. Er hat daraus bereits seinen besonderen Schluss und droht dadurch selbst zum Dinosaurier zu werden. Harald Juhnke sei der letzte große Entertainer, Rudi Carrell der letzte Showmaster gewesen.
„Und nachdem Juhnke und Carrell, Gott habe sie selig, nicht mehr leben, bin ich ihr legitimer Erbe. Insofern beantworte ich die Frage, ob ich Deutschlands letzter großer Entertainer bin, mit ja!”, sagte er im vergangenen November. Für den Showolymp sah er nur einen Qualifiziert: “Hape Kerkeling ist in meinen Augen die größte Begabung im deutschen TV.”
Nachdem der Raab geschlagen ist, muss das einstige Enfant terrible des Showtalks ebenfalls zu den Qualifizierten gezählt werden. Allzu unflätig erschien einst mancher Gag bei “Vivasion” und bei “TV Total”. Warum lachen, nur weil jemand auf einen Knopf drückt, eine Hupe ertönt und kurz eine Grimasse, eine dämliche Äußerung eines Promis oder eines einfachen Bürgers gezeigt wird. Stefan Raabs Humor erschien zu primitiv, um Stammzuschauer seiner Sendungen werden.
Einfach, aber nicht mehr primitiv ist nun Raabs Erfolgsrezept. “Am laufenden Band“, “Die verflixte Sieben“, “Geld oder Liebe” – Samstagabendshows der Vergangenheit – hatten das gleiche Rezept. Otto-Normal-Bürger muss sich in Wissen, Geschicklichkeit und Spielereien beweisen. Bei “Wetten dass” war es auch mal so, mittlerweile gehören die Wettkandidaten nur noch zur Bühnendekoration hinter der Promi-Couch, der sie sich nur auf Sichtweite nähern dürfen.
Bei “Schlag den Raab” müssen wieder mit verbundenen Augen Gegenstände ertastet, wie beim Kindersommerfest Getränkekistentürme erklommen und Sportwettkämpfe (diesmal Eishockey und Biathlon) nachsimuliert werden. Und die Promis sind die Pausennummern des Spielekrimis, der bei über vier Stunden Länge zwar nicht ständiges konzentriertes Zuschauen forderte aber doch vom Wegzappen abhielt.
Der gute Showmaster muss sich auch selbst mal zum Affen machen. Gottschalk hüpft dafür kurz im Borat-Einteiler in den Bodensee – vor der Sendung, damit es nicht zu viele live sehen. Raab stellt sich langen Quizrunden, die auch offenbaren, was er alles nicht weiß. Und er zeigt Nerven, nennt in der Aufregung die falsche Handytaste, die für den Buchstaben “G” zu drücken ist.
Raab ist zudem der passende Typ für den simplen Wettkampf – nur ein Kandidat gegen den Moderator. Mit seiner Vielseitigkeit, seiner Bauernschläue und seinem Spielfieber sammelt er Sympathien, gleichzeitig schwingt beim Zuschauer auch eine Antipathie mit, das Großmaul mal scheitern zu sehen. Ist ja auch geglückt, was aber nur die Spannung für die Neuauflage von “Schlag den Raab” steigert.
Während sich die einstigen öffentlich-rechtlichen Dominanten des Samstagabends mit Volksmusik, Diesen-Spaß-verstehen-wir-nicht- zumindest-finden-wir-es-nicht-komisch-Proben und seichtem Couchplausch selbst demontieren, wächst bei Pro Sieben – bislang weniger für Showkompetenz bekannt – die Hoffnung für den großen TV-Abend heran. Die jüngeren Zuschauer sind durchaus mal an einem Samstag vor der Mattscheibe interessiert, wollen aber mehr als ultimative Chartsshows und schiefe Superstartöne. Trotz Konkurrenz zum TV-Casting erreichte Raab respektable 3,7 Millionen Zuschauer. Sie wollen mehr. Und vor der Neuauflage gibt es noch den Bundesvision-Song-Contest.
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