PAPIER
26. Januar 2007, 20:21 Uhr
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AAL bei der FAS
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lässt ihre Leser wieder mitschreiben. Es geht um Blogs, doch die Debatte über den Textentwurf lahmt. Funktioniert der bei der US-Zeitschrift “Scientific American” bejubelte “Wiki-Journalismus” in Deutschland nicht? Oder sind die Leser nicht bereit, für die Redaktion eine müde Vorlage aufzuhübschen?
“Was ist neu am Web 2.0?” fragt der Autor des Artikelentwurfs in der Überschrift. “Eine gute Frage werfen Sie da auf, aber wo ist die Antwort?”, reagiert ein Leser. Denn die Vorlage schwankt zwischen “Jeder kann mitmachen” und Serendipity – “das zufällige Finden von etwas, das man ursprünglich gar nicht suchte” – als Hauptantriebsfeder im Web 2.0.
Irgendwie müssen Blogs dabei eine große Rolle spielen. Im Text geht es um fast nichts anderes. Dass Blogs das Besondere am Web 2.0 sind, scheint der Autor allerdings selbst nicht zu glauben. Was kann schon so überwältigend sein an einer Sache, deren “Hauptmerkmal” es ist, “dass der aktuelle Beitrag immer oben auf der Website steht.” Es werde die “nachhaltige Wirkung von Weblogs stark überschätzt”, die Debatten über Eskapaden der StudiVZ-Führung und Sicherheitslücken seien nur ein “Sturm im Wasserglas” gewesen, eine “Geröllhalde von Weblogs” sei entstanden.
Gut, “Blogger sind nicht die neuen Journalisten.” Soll diese These einem provokanten Paukenschlag gleich kommen, so geht der Hieb daneben. Die meisten Blogger wollen gar nicht die Nachfolger der Macher der “alten” Medien sein. Sie pflegen ihre Seiten mit mehr oder weniger Verve – und wenn die Motivation nachlässt, schläft ein Blog auch mal ein.
Ein Stich ins Bloggerherz ist jedoch die Begründung, warum die Netzautoren nicht die Erben der Schreiber aus den Redaktionsstuben in Frankfurt oder sonstwo sind. Stärken von Journalisten seien „breites Alltagswissen“ und „professionelle Recherche“, während Blogger sich durch “Geschwindigkeit, Vernetzung, Unabhängigkeit” auszeichnen. Und dabei ziemlich tumb bleiben?
Geröllhalde, Serendipity, alles “extrem individualisiert”. Zu jedem Thema gebe es mindestens einen, der darüber bloggt. “Und von da liest man weiter zum nächsten Blog und zum übernächsten – und stellt fest, dass man schnell irgendwo ist, wo man gar nicht hinwollte.” Na, ein Glück, dass einem unterwegs nicht nur dummes Zeug vor die Augen kam, denn: “Weblogs können tatsächlich Wissen akkumulieren.” (oho)
Nach zwei Tagen im Netz stehen unter dem Artikelentwurf bloß acht Kommentare. Einer fragt zum Satz “Vielerorts war zu erfahren, Blogger seien die neuen Journalisten”, wo denn dieses “vielerorts” liegt. Wollte der Autor, der als Newsgroup-Nostalgiker erscheint, bei Bloggern einen Sturm der Reaktionen provozieren? Dann ist dieser Versuch, Leser in die Produktion von Texten einzubinden, gescheitert.
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