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NETZ 4. Januar 2007, 01:29 Uhr 3 Kommentare

Holtzbrinck zieht StudiVZ an sich

Mit dem Verkauf an die Verlagsgruppe Holtzbrinck ist das Studenten-Portal StudiVZ vorerst dem Schicksal entronnen, möglicherweise die erste prominente Web 2.0-Pleite Deutschlands werden zu können. Der Konzern, der bislang eine Minderheitsbeteiligung an dem Internetunternehmen hielt, will mit der Komplettübernahme stärker im Geschäft mit Studenten Fuß fassen. Kaum ist der Deal perfekt, gibt es jede Menge Gerüchte, warum der Verlag gegen mutmaßliche Mitbieter zum Zug kam und wie viel Geld an die Gründer fließt.

Ohne den Verkauf an Holtzbrinck wäre das finanzielle Ausbluten des StudiVZ sicher gewesen. Laufende Kosten für Server und Datenverkehr der Nutzer hätten über kurz oder lang die Einlagen der Kapitalgeber aufgezehrt. Zudem war nach mehreren aufgedeckten Lücken in der Datensicherheit eine kostenträchtige professionelle Nachbesserung nötig.

Wie nicht anders zu erwarten, bejubeln die StudiVZ-Gründer im eigenen Blog den Deal und preisen Holtzbrinck als den “optimalen Partner für das weitere Wachstum unserer Plattform“. Warum mit dem Verkauf für die Nutzer sichergestellt sein soll, “dass das komplette Angebot für Euch auch in Zukunft kostenlos bleibt”, erschließt sich jedoch nicht.

Schließlich kauft ein Verlag, der mit der Handelsblatt-Gruppe auch ein Sorgenkind besitzt, und der von seiner neuen Erwerbung profitieren möchte. Angepeilt scheint ein stärkeres Vordringen auf dem Markt für Studierende, auf dem Holtzbrinck bereits mit der Studentenförderseite “E-Fellows” sowie den Ablegern “Karriere” vom “Handelsblatt” und “Campus” von der “Zeit” präsent ist. Das als “Erfolgsgeschichte” gelobte StudiVZ solle das Angebot für die Zielgruppe Studenten abrunden, heißt es.

Den StudiVZ-Gründern bringt der Verkauf eine stattliche Summe ein. Spiegel Online berichtet von “bis zu 100 Mio. Euro”. Holtzbrinck-Manager Konstantin Urban relativiert in der “Welt“: der Preis liege “über 50 Mio. Euro, aber deutlich unter 100 Mio. Euro”. Die “Financial Times Deutschland” meldet eine Bewertung von 85 Mio. Euro, während Holtzbrinck und die zum Verlag gehörenden Medien dazu schweigen.

Sicher ist, 85 Mio. Euro fließen nicht an das VZ-Leitungstrio Ehssan Dariani, Dennis Bemmann und Michael Brehm. Denn Holtzbrinck zahlt nicht für Anteile, die ohnehin schon der Verlagstochter Holtzbrinck-Ventures gehören. Auch die übrigen Minderheitseigner wie die Jamba-Gründer Marc, Oliver und Alexander Samwer müssen ausbezahlt werden. Rund 50 Mio. Euro sollen offenbar an die Gründer gehen, ein erfolgsabhängiger Nachschuss werde gezahlt, wenn das Unternehmen “bestimmte Ziele” erreiche.

Zwei Informationen lassen beim StudiVZ-Verkauf aufhorchen: Erstens, dass sich zuletzt mehrere Bieter für das kriselnde Unternehmen interessierten. So soll nach Informationen der “Financial Times” Holtzbrinck den Axel-Springer-Verlag ausgestochen haben. Auch das US-Vorbild “Facebook” soll noch im Rennen gewesen sein, aber mit seinem Angebot einer Bezahlung in Aktien nicht überzeugen haben können.

Für das zweite Erstauen sorgt, dass die StudiVZ-Lenker der ersten Generation trotz vieler Eskapaden am Ruder bleiben. Sie agierten in der Vergangenheit mehrfach ungeschickt, wenn nicht sogar verwerflich. Ausländische Internetadressen mit Namen von Konkurrenten, die durch das VZ registiert wurden, anzügliche Videos bei Youtube, Party-Einladungen im Design der Nazi-Zeitung “Völkischer Beobachter” und wunderliche Erklärungen dazu, sorgten für Negativschlagzeilen.

Wiederholt erweckten die Gründer in der Vergangenheit den Eindruck, sich nicht der unternehmerischen Verantwortung bewusst zu sein, die eine schnell wachsende Netz-Community erfordert. Dies gilt umso mehr, da Sicherheitslücken zunächst geleugnet wurden. Erst nachdem die Unsicherheit von Nutzerdaten bei StudiVZ in Blogs demonstriert worden war, wurde durch das Engagieren von IT-Experten nachgesteuert.

Die Größenordnung des Verkaufspreises zeigt, dass die Seite nicht zu den süßesten Web 2.0-Rosinen gehört. Die Video-Plattform Youtube war für mehr als 1 Mrd. $ an Google gegangen. Das deutsche Business-Portal Xing/OpenBC hat gut einen Monat nach dem Börsengang mit einer Marktkapitalisierung von rund 160 Mio. Euro einen höheren Wert. Don Alphonso rühmt sich, dass die Blogger-Anklagen zu Mängeln des VZ und Eskapaden der Gründer zu einem “zweistelligen Millionenverlust in den Bewertungen” geführt hat.

Nicht alle sehen StudiVZ nach dem Holtzbrinck-Deal gerettet. Robert Basic glaubt das Unternehmen am rettenden Ufer. F!XMBR rechnet dagegen damit, dass längerfristig dennoch die Pleite droht, mit Nutzerdaten gehandelt werden muss oder kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften eingerichtet werden. Wozu letzteres führt, ist auf der Klassentreffenseite Stayfriends zu sehen, wo nicht einmal die eigenen Mails gelesen werden können, ohne zu bezahlen.


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3 Reaktionen zu “Holtzbrinck zieht StudiVZ an sich”

  1. Alexander Trust

    Vielen Dank für die Erwähnung. Der Text hier fast überdies die Geschehnisse noch ein Mal sehr gut zusammen.

  2. Sascha

    Ich denk die Geschäftsaussichten werden zu negativ dargestellt.

    Ich kenn die Zahlen von StudiVZ nicht aber OpenBC hat pro Monat 90.000.000 PI´s die nicht vermarktet werden. Bei StudiVZ dürfte die Zahl nochgrößer sein. Hier ist ein gutes Erlöspotential ohne die Nutzerdaten dezidiert zu verkaufen.

    Außerdem sei der Hinweis gestattet, das man bei Schober Media 50.000.000 Adressen mit soizodemografischen Auswertungen kaufen kann zum Preis von 0,32€ pro Stück. Auch von Studierenden.

    Die Gründer haben allerdings von Anfang an eine Startegie gefahren schnell wachsen und dann raus das ding. Anders ist der völlige Verzicht auf Einnahmen aus operativem geschäft nicht zu erklären. Im übrigen geht jedes Unternehmen igrnedwann Pleite wenn es kein Umsatz hat.

  3. medication

    medication…

    pharmacy…

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