NETZ
7. Dezember 2006, 21:47 Uhr
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Nichts verkauft, nur ausgeliefert
Um den Datenschutz steht es schlecht in Deutschlands Studenten-Portalen. Blogger Don Alphonso und andere haben den Marktführer StudiVZ auf die virtuelle Anklagebank gezogen und damit eigentlich nur einen Musterprozess begonnen. Sicherheitslecks haben auch die Konkurrenten. Gewinnbringend lässt sich vorerst wohl keines der Portale verkaufen. Derweil sind Massen von Daten schon in die Weiten des Webs ausgeliefert.
In der Flut der Postings ist die frühe Diagnose an der Blogbar beinahe untergegangen: “An StudiVZ kann man prima zeigen, was das real existierende Web2.0 bedeutet.” Zu Recht wurde verbal auf ein Unternehmen eingeprügelt, dass durch allerlei obskure Praktiken – nicht immer rechtswidrig, häufig an der Grenze des guten Geschmacks, manchmal auch jenseits dieser Linie – auffiel. Doch im Hintergrund gärte schon das eigentliche Problem der Datensicherheit.
Dass der suggerierte Schutz (Einwählen mit Passwort, Erklärungen und scheinbar gut verschlüsselte Links) so gering ist, dass ein Anmelden nur geringen Mehrwert bringt, erschreckt: Die Daten vom StudiVZ stehen zumindest teilweise frei verfügbar im Netz. Dass Stalker auf der Plattform geduldet wurden, deren Hauptantrieb das Abgreifen von Sexy-Pics ist, und dass an öffentlichen Rechnern die Sessions anderer Nutzer einfach übernommen werden können, sind nur noch kleine Dramatisierungen.
Die Beteiligungen von profitorientierten Investoren, wie der Wagniskapital-Tochter des Holtzbrinck-Verlags (Zeit, Tagesspiegel, Handelsblatt) und den Jamba-Gründern, die vor ihrem Geschäft mit Klingeltönen das Auktionsportal Alando erfolgreich an Ebay veräußerten, muss angesichts der aufgedeckten Lecks keine Sorgen mehr bereiten. Auch Treffen mit Mark Zuckerberg, dem Gründer des US-Studentenportals Facebook, wo die deutschen VZler wohl fließig geistiges Kapital im Form von Design und Quellcodes kopiert haben, müssen nicht beunruhigen – egal ob die VZ-Führungsriege in den Staaten gewesen oder Zuckerberg in Berlin gesichtet worden ist.
Für ein unsicheres StudiVZ wird kein Unternehmen Hunderttausende geschweige denn Millionen zahlen. An dem Portal haftet ein Makel, der nicht durch einen Eigentümerwechsel gelöscht wird. Solange dieses Etikett am VZ hängt, fehlt seinem Geschäftsmodell das zum Überleben Notwendige: reguläre Posten auf der Einnahmeseite.
Es gibt nur einen Weg, den Makel loszuwerden: Investieren, vor allem in eine neue Software, die hohen Sicherheitsstandards genügt. Derweil ticken die Gebühren für Speicherplatz und Traffic einer großen Nutzerschar weiter. Das Geld für beides kann – Alternativen gibt es nicht – nur von den derzeitigen Kapitalgebern kommen, wenn sie denn noch wollen. Wenn nicht, blutet das StudiVZ langsam aus.
Nur über teure Spritzen kann sich das Studiverzeichnis von Konkurrenten abheben: Denn auch bei Unister klafft eine Wunde im Schutz, und bei Nur!Studenten kann ziemlich frei herumgeclickt werden, wenn man nur einen beliebigen Link bekommt, um die Einwahlseite zu umgehen. Fazit: Verkauft ist nichts, die Daten sind aber schon ausgeliefert.
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Am 7. Dezember 2006 um 22:15 Uhr
Vielen Dank für die Erwähnung.