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NETZ 15. November 2006, 15:15 Uhr 3 Kommentare

WeichspülerVZ

Ehssan Dariani hat etwas aus der Welt zu schaffen. Gleich zweimal entschuldigt sich der Gründer des Internetdienstes StudiVZ für den Wirbel um die Online-Community und seine Reaktionen. Die hatten ihn zum Buhmann unter den Internet-Start-Ups werden lassen und sogar das gesamte Unternehmen in ein fragwürdiges Licht gerückt. Das mögen Investoren gar nicht - und einer steht angeblich vor der Tür.


Zunehmend fällt es manchen Bloggern schwer, sich über das Unternehmen StudiVZ auszulassen. Zu häufig waren die Fauxpas in den vergangenen Wochen. Da wurde das aufgedeckte Kopieren der Scripte des US-Studiportals Facebook nicht eingestanden, Konkurrenten wurden die Domain-Namen im Ausland vor der Nase wegschnappt, französische Studenten per Spam zum Wechsel ins VZ animiert, nicht gern gesehene Kommentare im VZ gelöscht, die Meinungen bestimmter Personen als grundsätzlich unerwünscht erklärt, der Wikipedia-Eintrag über das Verzeichnis geschönt - und auch noch Party-Einladungen im Design des Nazi-Propaganda-Blattes “Völkischer Beobachter” verbreitet.

Angesichts von so viel Ungeschick legen die einen nach und zeigen die völkische Einladung, während andere zu väterlichen Hilfsaktionen aufrufen oder nun endgültig genug haben von dem Wirbel um die StudiVZ-Gründer, die wohl geglaubt haben, dass die Weiten des WorldWideWeb ein gänzlich unbeobachteter Raum sind, in dem so manche Feistigkeit keine Entrüstung provozieren würde.

Nach Wochen, in denen es “studivz” zum meist gesuchten Begriff im globalen Blogverzeichnis Technorati gebracht hat, gibt es nun Entschuldigungen. VZ-Gründer Ehssan Dariani erklärt seine Fehltritte durch seinen Lebenslauf:

“Seit meinem 6. Lebensjahr in Deutschland habe ich die Erfahrung machen müssen, dass ich immer sozial etwas anders positioniert war als die anderen. … Ich rede hier von einer subtilen Art der Ausgrenzung, nämlich der Ignoranz. …”

Wem die folgenden Parallelen zur Goldhagen-Debatte um Hitlers willige Vollstrecker und zur Mohammed-Karikaturenstreit als etwas weit hergeholt erscheint, kann Darianis zweite Stellungnahme zur Kenntnis nehmen.

“Einige Aktionen und Verhaltensweisen von mir waren nicht in Ordnung und falsch. Dafür stehe ich ein und übernehme die volle Verantwortung. Konkret: Die Party-Einladung in Anspielung auf den Völkischen Beobachter war ein Fehler. Dafür und für die daraus entstandenen Missverständnisse möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Weiterhin war der Umgang mit manchen Bloggern, Partnern, dem Journalisten Peter Turi und einigen Videos völlig unangemessen und unprofessionell. Auch in dieser Sache möchte ich mich für die entstanden Irritationen ehrlich entschuldigen.”

Weiter verspricht der VZ-Gründer, in den kommenden Tagen mehr über die Geschäftsidee und die Zukunft des Unternehmens StudiVZ mitzuteilen. Doch auch mit den zu erwartenden Antworten hinkt er dem Nachrichtenfluss schon wieder hinterher. Mittlerweile ist in der deutschen Blogwelt durchgesickert, dass es Gespräche über einen Verkauf an die US-Vorlage Facebook gibt, die zuvor freimütig kopiert wurde. Dazu sollen Dariani und weitere StudiVZ-Mitarbeiter sogar schon in die USA gereist sein.

Die Transaktion wäre bei weitem nicht so groß wie die Fusion von Google und YouTube. Ein Meilenstein wäre sie schon - und hat auch ein historisches Vorbild. Oliver Samwer und seine Brüder, die Gründer des Klingeltonanbieters Jamba und Investoren bei StudiVZ, veräußerten Ende der 1990er Jahre ihr Auktionsportal Alando an das US-Unternehmen Ebay. Die amerikanischen Versteigerungsseiten hatten sie zuvor als Inspiration für ihr deutschen Angebot genutzt.

Doch Investoren mögen keine mediale Aufregung um ihre Geschäfte. Das gilt auch für die Verlagsgruppe Holtzbrinck (Handelsblatt, Tagesspiegel, Zeit), die über eine Tochter StudiVZ-Miteigner ist und nach Angaben aus informierten Kreisen hinter den Kulissen versucht hat, die Wogen zu glätten.

Verkauf an Facebook, Zahlungen an studentische Jungunternehmer, die zuletzt mehr durch Ungeschick als durch den - durchaus vorhandenen - Erfolg ihres Angebots (1.000.000 Nutzer) aufgefallen sind. Für DonAlphonso sind das keine Gerüchte mehr:

“Das wurde mir von drei unabhängigen Quellen bestätigt, denn trotz Vertraulichkeit waren manche Gründer erheblich zu grossmäulig und haben es rumerzählt. Die letzte Bestätigung kam gestern Abend durch Dariani persönlich,…”

Die zwei Entschuldigungen aus dem VZ-Haus wirken daher wie das hastige Drücken auf den Nothaltknopf für die mediale Kritiklawine aus der Blogosphäre. Doch wo die Signallampe aufleuchtet, schauen alle hin - mit Spannung, wie die StudiVZ-Geschichte ausgeht. Die angebotenen Hilfssendungen können in jedem Fall als Anregungen für das weitere Tapsen im Netz genutzt werden.


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3 Reaktionen zu “WeichspülerVZ”

  1. Kasi-Blog

    StudiVZ and Facebook - Huge Data Leak(s)

    This morning Don Alphonso announced that StudiVZ has a huge data leak - which seems to be the next big problem in the StudiVZ history.
    The images are saved on a different server and have public access - despite the StudiVZ announcement that data privac…

  2. Willkommen im AH-Land! » Blog Archive » ArschhurenVZ

    […] StudiVZ: dubios,dubioser,dubiosest, dubiotissimo. Bleibt nur eins: PennerVZ. […]

  3. Vanity Care » Blog Archiv » StudiVZ geht in die Knie

    [...] den Eskapaden des StudiVZ-Gründers Ehssan Dariani, der mit öffentlichen Party-Einladungen im Stil der Nazi-Propaganda-Postille “Völkischer Beobachter”, als Inhaber der gleichlautenden Domain, mit Frauen auf [...]



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