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NETZ 12. November 2006, 10:14 Uhr 6 Kommentare

StudiVZ zum 1.000.000sten

Das Studenten-Netzwerk StudiVZ hat nach eigenen Angaben die Schwelle von einer Million Mitgliedern überschritten. Doch ganz selbst gemacht ist der Erfolg des Web 2.0-StartUps nicht. Nicht nur Ideen- und Skripte-Klau beschmutzt das Antlitz der Studi-VZ-Macher. Dazu kommen ein rechtlich zweifelhaftes Expansionsstreben und Spekulationen um rechte Domain-Titel. Und wo das Geld für StudiVZ herkommt, ist ebenso unklar wie das Geschäftsziel.

Wenn Journalist Peter Turi in seinem Blog zum 1.000.000. Mitglied gratuliert, kommt der Glückwunsch wohl nicht so ganz von Herzen. Er streitet mit StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani – über einen Artikel, den Turi für das Magazin “Wirtschaftswoche” vom 23. Oktober geschrieben hat. Dariani bestreitet im eigenen Corporate-Blog sogar, mit Turi über StudiVZ gesprochen zu haben. Der erinnert sich aber noch an Ort, Tag und Uhrzeit des Gesprächs – sogar daran, dass wegen eines Wasserschadens im StudiVZ-Büro in ein Café ausgewichen wurde, und auch noch daran, was im Café verzehrt wurde.

Zuvorderst scheint es Dariani darum zu gehen, dass der Erfolg des Studenten-Portals ihm zugerechnet wird und nicht anderen. In der Wirtschaftswoche werde der falsche Eindruck erweckt, Lukasz Gadowski, Gründer des deutschen T-Shirt-Online-Vertriebs Spreadshirt sei “der” Gründer von StudiVZ. Dabei sei Gadowski bloß Schulfreund, großer Unterstützer (”Als Mentor hat er uns dann gerne öfters mit Rat und Tat unterstützt.“) und habe 5000 Euro bereit gestellt, damit StudiVZ überhaupt starten konnte. Von einem Gründer des Unternehmens könne daher nicht die Rede sein.

Dass Turi aber nicht völlig falsch recherchiert und schon gar nichts völlig Abwegiges geschrieben hat, bescheinigt ihm Gadowski persönlich – im StudiVZ-Blog. In seinem Kommentar zu Darianis Anschuldigungen lässt er wissen: “so ganz unrecht hat Turi mit mir als Gründer nicht…” Selbstverständlich sei er Gründungsgesellschafter, auch wenn er nicht im StudiVZ-Team mitgearbeitet hat. Das Startkapital für die Firma kam von ihm, nur ihn als alleinigen Gründer darzustellen sei “barer Unsinn”.

Es scheint die gekränkte Eitelkeit zu sein, dass Dariani erst an zweiter Stelle die viel gewichtigere Information bestreitet, dass Investoren 10 Mio. Euro in StudiVZ gepumpt hätten. Das “entbehrt jeder Grundlage und ist frei erfunden”, schimpft der StudiVZ-Gründer. Von verschiedenen Leuten, darunter auch Freunden, sei jede Menge Geld gekommen, nicht aber diese Summe. Zu den Freunden zählt dann auch die Verlagsgruppe Holtzbrinck, die sich offen dazu bekennt, über die Tochter Holtzbrinck Ventures im August bei StudiVZ eingestiegen zu sein - allerdings ohne zu nennen, wie teuer die Transaktion war. Noch ein Freund, der Geld gab, ist der Ex-Jamba-Eigner Oliver Samwer, der wegen seiner Abzock-Vermarktung von Handy-Klingeltönen viel gescholten ist. Auch er dürfte mehr als 5000 Euro gegeben haben.

Gemessen an den Nutzerzahlen ist das von Dariani, Dennis Bemmann und Michael Brehm geführte StudiVZ natürlich ein Erfolgsmodell. Im vergangenen Sommer waren gerade mal 100.000 dabei, ein rasantes Wachstum bis nun über die Millionen-Marke folgte – schneller als bei OpenBC, heißt es stolz. Doch in den USA fragen sich Blogger verwundert, warum deutsche Studenten in Scharen sich zu einer “Copycat” clicken. Auch bei deutschen Bloggern stößt StudiVZ auf. “StudiVZ macht so ziemlich alles, was im gängigen Geschäftsbetrieb Partner zum Kotzen über die Kloschüssel treiben würde”, schreibt Derb-Blogger DonAlphonso.

Für viele Blogger steht fest: Die Scripte für die StudiVZ-Seiten sind vom US-Studenten-Portal Facebook geklaut. Unfehlbar, Kasi und viele weitere haben die Seiten genau verglichen, Bumi zeigt, wie sich jeder StudiVZ im Facebook-Look auf den Bildschirm holen kann, Oliver Thylmann hat Screenshots von StudiVZ-Fehlermeldungen, die einen Quelltext von Facebook.com zeigen. Und selber vergleichen kann jeder beim Spiegel (Bilder 3 und 5).

Ein Kopier-Geständnis von StudiVZ gibt es natürlich nicht. Im Impressum wird sogar geistiges Eigentum für die gesamte Aufmachung beansprucht. In seiner persönlichen Start-Up-Story gesteht StudiVZ-Gründer Dariani eine “anfängliche Orientierung” an amerikanischen Vorbildern, doch man entferne sich mehr und mehr davon und habe “von Anfang an vieles der hiesigen Kultur angepasst und anders gemacht.” Und so heißt das Kontakten nicht “to poke”, sondern “gruscheln” – was übrigens laut Etymologie-Duden “unredlichen Gewinn suchen” heißt.

Ob Gruscheln eine Scherz-Kreation ist? Auch über den Spaß-Gehalt einer anderen Episode lässt sich nur spekulieren. Die Domains “voelkischer-beobachter.de” und “voelkischerbeobachter.de” sind auf Dariani registriert. Mittlerweile gibt’s dort nur noch wenig zu sehen. Zuvor hatte ein Screenshot die Runde gemacht, den Yamb als “schlicht ekelhaft und weit abseits dessen, was man noch mit einem kranken Humor/Satire oder jugendlichem Übermut erklären könnte” beschreibt. Doch die Grenzen des Humors scheinen in der StudiVZ-Etage sehr weit zu reichen, wie ein Film von einer Berliner Damen-Toilette zeigt.

Auch Spam-Blogging, dem Einstellen von Werbung in Blog-Kommentare, sorgte für negatives Aufsehen. DonAlphonso entdeckte auf dem Jugendportal der Süddeutschen jetzt.de einen Eintrag von “ABrown” (klingt fast wie der braune A…), der einer StudiVZ-PR-Meldung fast bis aufs Wort gleicht. Bei Kommentaren im eigenen Blog ist man hingegen zimperlich. StudiVZ duldet dort keine Kommentare, die Dritte beleidigen, die “absurde Spekulationen nach dem Muster des Herrn Peter Turi” zum Inhalt haben und überhaupt “Kommentare von ungeeignetem Inhalt”, wobei über die Eignung gleich selbst befunden wird und auch schon mal auf löschen geclickt wird.

StudiVZ ist auf Erfolg aus. Um schnell zu wachsen, sollen an Unis Campus Captains rekrutiert worden sein. Auch das Auslandsgeschäft ist im Visier, Domains wurden gesichert – die Namen von Konkurrenten mit ausländischem Top-Level gleich mit, wie in Österreich und Großbritannien. Studi-VZ-Mitstreiter Brehm zeigt sich mittlerweile reumütig und will einige Domains wieder hergeben.

Angesichts mancher Episode am Rande des guten Geschmacks, wächst die Sorge, was StudiVZ mit den riesigen eingesammelten Saten-Beständen - 1 Millionen Studenten - vorhat. Schließlich kommt das Portal fast ganz ohne Werbung aus und muss dennoch die nach eigenen 25 Mitarbeiter bezahlen.


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6 Reaktionen zu “StudiVZ zum 1.000.000sten”

  1. Blogs! Buch Blog

    StudiVZ-Mitarbeiter fälscht Wikipedia

    English Summary: A person with strong ties to the founders of the infamous German startup StudiVZ - a Facebook-Clone - tried to delete critical remarks from the Wikipedia article about the company.
    Es gibt Leute, die finden, dass man den Gründer von S…

  2. ► blog2.de - Tolle Ideen für Menschen ohne! » Blog Archive » Was StudiVZ und Schnappi gemeinsam haben

    [...] Alle Blogs reden momentan von StudiVZ respektive Ehssan Dariani. [...]

  3. Kasi-Blog

    StudiVZ Encyclopedia - the most complete summary (until now)

    This is a summary of articles and blogs related to StudiVZ. Previously I have written various articles on StudiVZ on the following topics: StudiVZ and TakingITGlobal.org, Facebook, Unister and StudiVZ, 100 blonde friends on StudiVZ, StudiVZ and Penne…

  4. Kasi-Blog » Blog Archive » StudiVZ Encyclopedia - the most complete summary (until now)

    […] Even though StudiVZ has its own blog, they are not systematically trying to organize public support for their website, their communication is insufficent and their reactions to critique is inappropriate (see for instance this blog-entry of StudiVZ, see bdvb, Netzeitung, Frankfurter Rundschau, see also the company video featured at SevenLoad, Robert Basic , Darianis old blog, or the comments by Sichelputzer, Robert Basic (I), Robert Basic (II), Robert Basic (III), Sherpa, Visual Blog, Blognroll, BlogDoch, Fallenbeck, Agenturblog, NYBlog, Txtblog , CuriousCreatures, TuriBlog, Customer of Hell, Timo Kotowski, Pop64, Sichelputzer . […]

  5. Basis Denken

    Großes soziales Netzwerk für alle?…

    Wir kennen StudiVZ, wir kennen Schueler VZ. AzubiVZ ist in Planung. Was aber fehlt ist ein großes soziales Netzwerk für alle. Ein “Deutschland-VZ”. Eine Plattform, wo sich wirklich jeder anmelden kann. StudiVZ besteht längs…

  6. Vanity Care » Blog Archiv » Studi-Volks-Beobachter

    [...] StudiVZ zum 1.000.000sten Liberté toujours [...]



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