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NETZ 5. November 2006, 15:00 Uhr 0 Kommentare

Dem Papst sein Parkplatz

Dass viele ein ganz bestimmtes Auto haben wollen, ist bekannt – spätestens seit der Golf von Papst Benedikt alias Josef Kardinal Ratzinger für 188.938,88 Euro bei Ebay den Eigentümer gewechselt hat. Dass viele einen ganz bestimmten Parkplatz haben wollen, ist neu. Doch das hat die Hamburger Polizei herausgefunden. Deshalb kann zu langes Parken auf begehrten Flächen ganz teuer werden.

Nachvollziehbar, wenn Ratzinger dort rückwärts und ohne einmal zu korrigieren eingeparkt hätte. Oder wenn sein Vorgänger dort den Boden geküsst und sich nun eine Schattierung im Pflaster gebildet hätte, die das päpstliche Antlitz wiederzuspiegelt. Der betreffende Verbundstein wäre aber längst von Souvenirjägern herausgemeißelt und in einer Onlinebörse verhökert.

In Hamburg geht es aber um jede beliebige Parklücke, um die scheinbar alle übrigen Fahrzeuglenker seit Stunden ihre Runden drehen. Da hilft nur eins: die Lücke muss ins Angebot. Im Klartext: steht der Wagen ohne Parkschein oder Parkscheibe oder mit seit einer Stunde abgelaufener bezahlter Abstellerlaubnis dort, kommt er weg. Begründung: Lücke rechtswidrig blockiert, unnötiger Parksuchverkehr entstanden, Staugefahr im Stadtteil. Der Wagen also weg – ab in den Hamburger “Autoknast“. Er muss freigekauft werden, das Knöllchen fürs Falsch-/Langeparken ist selbstverständlich zusätzlich zu bezahlen.

Auch sonst hat es der Autofahrer, und vor allem der Autoparker an Elbe und Alster nicht leicht. Denn die Lücken sind knapp. Dass alle Hamburger gleichzeitig ihren Wagen abstellen, ist – da bin ich überzeugt – wegen fehlender Plätze gar nicht möglich. Die wenigen Flächen sind nämlich auch dann alle voll, wenn tausende Pendler auf den Fahrbahnen für Stau sorgen.Damit die Not auch was einbringt, werden gepflasterte Seitenstreifen (Volksmund: “Parkstreifen”) mit Parkverbotsschildern bestückt, durch Baustellen ganze Straßenzüge - genau bis zum Haltverbotsschild - unbeparkbar gemacht.

Erfinderischer ist da mein SB-Markt, der Lücken Autofahrergruppen zugeordnet. So gibt es “Frauenparkplätze”, “Familienparkplätze”, “Mutter-und-Kind-Parkplätze” und die Reihe mit den Schildern “Hier parkt ein Behinderter oder ein rücksichtsloser Autofahrer”. Mit kleinem “b” wäre noch die Kategorien für Linksspur-Lichthupen-Drängler geschaffen. Und wo parke ich? Morgen ersteigere ich die Papst-Lücke.


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